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Atem


Wer weiß, wie es war, das erste Mal zu atmen?

 

Wenn wir unsere Lungenflügel fragen, bekommen wir nur eine Antwort:

es war wie der letzte Atemzug.

Immer wie der davor.

Diese selbstbezogene Wahrnehmung ist ohne Anfang und ohne Ende.

 

Sonst wissen die Lungenflügel nichts.

 

Wenn wir die Luft fragen, antwortet sie mit dem leisen Wind der Moleküle, die schon zu Cäsars Zeiten seine Lungenflügel durchströmten und seither nicht dazugelernt haben.

 

Selbst der Embryo im Mutterleib atmet schon das Plasma, das ihn umgibt.

Schon die erste Zelle atmet ihren Groove der Moleküle.

Mitochondrien aus der Ewigkeit des Gencodes ins Jetzt geschleudert.

 

 

Wenn wir das Molekül fragen, was Atem ist, kann es nur immerfort seinen thermodynamischen Zappeltanz reiten. Rodeospieler im Mikrokosmos, gesteuert vom perfekten Zufall.

 

Wenn wir also den Atem fragen, bekommen wir immer nur dieselbe Antwort: Jetzt, Jetzt, Jetzt,…

ein ewig raunender Lebensrhytmus dieser endlosen Gegenwärtigkeit, die uns ins Bodenlose verschlägt.

 

Wann aber war der erste Atem?

 

Die Antwort darauf finden wir im Tanzclub.

 

 

29.04.2008